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17. Thematisches Treffen am 29.März 2012Thematisches-Treffen@yahoogroups.de

Wiki: http://de.thematisches-treffen.wikia.com/wiki/Hauptseite

Referat: Thomas Piehler


Darwins "Kampf ums Überleben" Bearbeiten

"Bei den Wilden werden die an Geist und Körper Schwachen bald beseitigt. [...] Auf der anderen Seite tun wir zivilisierten Menschen alles nur Mögliche, um den Prozess der Beseitigung aufzuhalten. Wir bauen Zufluchtstätten für die Schwachsinnigen, für die Krüppel und die Kranken; wir erlassen Armengesetze und unsere Ärzte strengen sich an, das Leben eines jeden bis zum letzten Moment zu erhalten. Es ist Grund vorhanden anzunehmen, dass die Impfung Tausende erhalten hat, welche in Folge ihrer schwachen Konstitution früher den Pocken erlegen wären. [...] Niemand [...] wird daran zweifeln, dass dies für die Rasse des Menschen in höchstem Maße schädlich sein muss".[1]


Darwins "Die Entstehung der Arten" war eine Art Paukenschlag[2]

Deutungshoheit der Kirche über Enstehung der Erde und Lebewesen gebrochen

Die Vernunft bekommt die Oberhoheit auch in der Naturforschung

Darwins Abstammungslehre ist eine der am besten bewiesenen wissenschaftl. Theorien

Darwin macht aber auch Aussagen über die "inneren Grundregeln der Biologie"[3]

      1. sowohl Variationen innerhalb einer Art als auch ganze Arten müssen aufgrund des Selektionsdruckes in der Natur fortlaufend gegeneinander kämpfen. Daher setzen sich im Laufe der Zeit nur die Eigenschaften durch, die einen Vorteil im Überlebenskampf bringen.
      2. Der Prozess der Auslese unter dem Druck des Überlebenskampfes ist der einzige Motor, der die Evolution antreibt. ("war of nature", "struggle for life")

Darwin legte damit den Grundstein für ein neues Menschenbild

in Deutschland wurde Darwin sehr rasch und begeistert rezipiert, u.a. Ernst Haeckel

in der letzten Konsequenz führte dieses Gedankengut zum Sozialdarwinismus und zu den Verbrechen der Nationalsozialisten

Soziobiologie spitzt dieses "neue Menschenbild" weiter zu[4]

für R. Dawkins sind Lebewesen nur Verbreitungsmaschinen für Gene

Gene sind die eigentlich den Akteure der Evolution

Gene kämpfen stets um die Vorherrschaft um sich möglichst stark zu verbreiten

das "selfish gene" kämpft gegen jedes andere

---> Kampf ums Überleben ist oberstes Prinzip, Mitmenschlichkeit, Kooperation, Soziales wird dem untergeordnet

Was den Menschen antreibt – aus neurobiologischer Sicht[5] Bearbeiten

Die Motivationssysteme Bearbeiten

Motivationssysteme (Belohnungssysteme) des Gehirns:

sind zuständig für Zielstrebigkeit, Antrieb, Lebenswillen

Entdeckung dieser "Antriebsaggregate" des Lebens

durch Entdeckung der Neuroleptika (Chlorpromazin, 1950)

Chlorpromazin verursacht Verlust des Antriebs bei Patienten

obwohl deren Wachbewusstsein nicht beeinträchtigt wird

Suchterkrankung

führt zu unbändigem Streben, das auf das Suchtmittel eingeengt ist

Motivationssystem besteht im Gehirn aus 2 Komponenten (VTA und nucleus accumbens)

beteiligte Botenstoffe sind Dopamin, Oxytocin, endogene Opioide

Das "Motiv" der Motivationssysteme Bearbeiten

Ziel ist soziale Bindung, soziales Zusammenwirken : "social brain"

Motivationssysteme schalten ab, wenn keine Chance auf Anerkennung, Zuwendung besteht

Suchtdrogen wirken auf die Dopaminachse: Bedürfnis wird befriedigt, ohne soz. Bindung

soziale Isolation und Ausgrenzung führt zum Teil sogar zum Abbau von Hirnsubstanz

Dopamin Bearbeiten

Bedeutung von Dopamin

erzeugt ein Gefühl des Wohlbefindens,

Zustand von Konzentration und Handlungsbereitschaft

spielt aber auch eine Rolle bei Bewegungsfähigkeit (vgl. Parkinson-Erkrankung)

--> Dopamin dient dazu, dass Lebenwesen den Antrieb haben, sich auf ein Ziel zuzubewegen

wird Dopamin ausgeschüttet, werden auch endogene Opioide ausgeschüttet, die ein Wohlgefühl hervorrufen und im Emotionszentrum wirken

Experiment mit Ratten

zeigen hohes Maß an Motivation, um in den Nachbarkäfig mit Artgenossen zu gelangen,

allein schon das "Sehen" eines sozialen "Objekts" bewirkt Dopamin-Ausschüttung

Beobachtung: Rattenmütter, die mehr Dopamin ausschütten, sind fürsorglichere Eltern

Verliebte im Kernspintomographen

Verliebt-Sein ist das extremste Gefühl von menschlicher Zuneigung

Bilder des Partners rufen höhere Aktivität der Dopamin-Achse hervor als andere Personen

Oxytozin: auf Bindung und Vertrauen spezialisiert[6] Bearbeiten

Aufgabe von Oxytozin in den Motivationssystemen

ermöglicht, Vertraute Personen von weniger vertrauten zu unterscheiden

Oxytozin wird bei Bindungserfahrungen ausgeschüttet

stabilisiert Bindungen, die zu seiner Ausschüttung geführt haben

Experiment an der ETH Zürich:

Probanden sollten in einem Experiment einem Treuhänder Geld anvertrauen

Probanden, denen man Oxytozin verabreicht hatte, vertrauten mehr Geld an

--> Oxytozin hilft dabei, ein "soziales Gedächtnis" auszubilden, feste Bindungen einzugehen

Zwischenfazit Bearbeiten

Die Botenstoffe der Motivationssysteme sind dazu konstruiert, dass der Mensch sich auf Beziehungen hin orientiert

Der Mensch wird "belohnt", wenn er mit Anderen kooperiert und sich ihnen zuwendet

Schwere Störungen, unsichere Bindungen führen zur Dauer-Mobilmachung der Stressysteme

--> oberstes Ziel aller menschlichen Motivation ist: Beziehungen erwerben und erhalten

Welche Rolle spielt die Aggression ("Kampf")? Bearbeiten

Aggression zur Abwehr von Schmerz

biologisch gesehen ist Aggression oft Abwehr von Schmerz

"der Schmerz" meldet dem Körper eine für seine Unversehrtheit gefährliche Situation

hat der Organismus keine eindeutige Lösung zur Abwehr des Schmerzes

--> kommt es zu einer aggressiven Reaktion

--> die richtet sich dann teilweise auch gegen Dinge die nicht die Verursacher sind

Der Mensch reagiert auf sozialen Ausschluss mit Schmerz

"social pain" und "physical pain" sind für das Gehirn beinahe dassselbe

Trauerreaktionen, Verluste, soziale Isolation aktivieren Teile des Schmerzzentrums

-->ein Mensch reagiert auf Isolation+Demütigung ähnlich aggressiv wie zur Schmerzabwehr

Aggression steht im Dienst des Strebens nach Anerkennung, Kooperation


Fünf Arten von Aggression:

Aggression zur Verteidigung von Beziehungen (das zeigt erst, dass Beziehung "hält")

Agression im Kampf um Liebe und Anerkennung (Geschwister, Kollegen)

Dysbalancen in bestehenden Beziehungen (Ehe, Liebesbeziehung)

Gemeinschaft durch gemeinsamen Kampf (Kriegskameradschaft etc.)

Aggression aufgrund schwerer Verwahrlosung (aggressives Verhalten wurde gelernt)


Fazit Bearbeiten

  1. Will man Menschen dauerhaft motivieren, muss man ihnen Zusammenarbeit und Beziehungserfahrungen ermöglichen.
  2. Zuwendung in den ersten Lebensjahren ist besonders wichtig. Dadurch "lernt" das Gehirn und baut ein sicheres Bindngsmuster auf, das das spätere Leben des Menschen prägt.
  3. Ego-Shooter trainieren Kindergehirne auf: "Leben heißt Kämpfen".
  1. Neoliberale Wirtschaftsmodelle sind auf dem falschen Weg: Sie opfern langfristig "das Menschliche" dem "Wettkampf der Tüchtigen" -->J. Bauer sieht darin die Ursache für einen weltweit destruktiven Prozess, der wirtschaftliche und menschliche Ressourcen vernichtet.
  1. Kooperation in Unternehmen[7]
gelingende Beziehungen und Kooperation erzeugen Motivation der Mitarbeitenden
gute Beziehungen, Fairness und Vertrauen am Arbeitsplatz stabilisieren die Gesundheit
Mitarbeitende sollen das Gefühl haben, dass das, was sie tun, Sinn ergibt
dass ihre Arbeit "kooperativen Zielen", also der Gesellschaft dient
  1. Kooperation und Beziehung in der Schule[8]
ohne Beziehung gibt es neurobiologisch gesehen keine Motivation
Schüler brauchen persönliche Zuwendung, Lernen, wie man Beziehungen gestaltet
Nach-68er-Pädagogik der maximalen Freiräume ist falsch: "Wohlstandsverwahrlosung" --> besser: maximale Beziehungen

-->Erziehung ist dafür da, um gesellschaftliche Regeln, die das soziale Zusammenleben gestalten, zu vermitteln

Literatur Bearbeiten

Bauer, Joachim. „Darwins doppelter Blick auf den Menschen - Der Spezies Mensch verordnete Darwin ‚heftigen Kampf‘, den einzelnen Menschen jedoch sah er als primär empathisches Wesen : literaturkritik.de“. Literaturkritik.de, März 29, 2012. http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12711.

———. Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren. Aktualisierte Ausgabe. Heyne Verlag, 2008.

FußnotenBearbeiten


  1. Darwin, "Die Abstammung des Menschen", zitiert nach: Joachim Bauer, „Darwins doppelter Blick auf den Menschen - Der Spezies Mensch verordnete Darwin ‚heftigen Kampf‘, den einzelnen Menschen jedoch sah er als primär empathisches Wesen : literaturkritik.de“, Literaturkritik.de, März 29, 2012, http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12711.
  2. Joachim Bauer, Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren, Aktualisierte Ausgabe. (Heyne Verlag, 2008), 9 ff.
  3. Ebd., 16.
  4. Ebd., 18ff.
  5. Ebd., 26ff.
  6. Ebd., 47ff.
  7. Ebd., 205ff.
  8. Ebd., 210ff.

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